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Ein Blogbeitrag zum Weltfrauentag 2017

Der Internationale Frauentag oder auch Weltfrauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen. Dieser Welttag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Später wurde er von den Vereinten Nationen als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden bezeichnet.

Ein Blogbeitrag von Ina.

Es ist wieder so weit. Weltfrauentag. 8. März.
Ein Anlass, kurz inne zu halten und sich zu fragen:
Ist das jetzt gut so?

Es hat sich ja viel getan in den letzten 100 Jahren. Frauenwahlrecht, das Recht, ohne die Erlaubnis des Ehemannes arbeiten zu gehen, Elternzeit, Quotenregelungen, „Nein heißt Nein“ und jetzt auch das Gesetz zur Lohngleichheit. Der Gender Pay Gap liegt bereinigt bei nur circa 8%. Man könnte sich zurück lehnen und sich des Lebens freuen, auch oder gerade als Frau.

Unbereinigt liegt der Gender Pay Gap aber leider noch immer bei 21%. Wirtschaftliche Emanzipation ist das Kernthema des EU-Parlamentes zum Weltfrauentag. Das statistische Bundesamt meldet, von 2006 bis 2015 blieb die Zahl der voll erwerbstätigen Frauen mit Kindern unter drei Jahren bei 10%. Konstant. 51% von ihnen sind gar nicht erwerbstätig.

Ist ja nicht schlimm, könnte man sagen. Es entscheidet ja jede selbst, in welchem Job sie arbeitet oder eben nicht arbeitet, wenn sie sich ihren Kindern widmen möchte. Klingt total einfach. So einfach ist es dann aber doch nicht, wenn man ein paar Faktoren zusammen betrachtet:

  1. Frauen verdienen weniger als Männer. Bereinigt immer noch 7%.
  2. Steuerliche Vorteile bietet vor allem das Modell Alleinverdiener mit Ehepartner.
  3. Kinderbetreuung und Arbeit sind nicht immer vereinbar. Kinderbetreuung, die auch Arbeitszeiten jenseits der 18:00 oder vor 8:00 abdeckt, ist nicht überall verfügbar und richtig teuer.

Wenn man feststellt, dass der Familie mehr Geld bleibt, wenn die Frau die Kinderbetreuung übernimmt und der Mann arbeitet, dann braucht man schon einen sehr festen Willen um trotzdem weiter arbeiten zu gehen und die entsprechende Organisationsbelastung sich und seinen Kindern zuzumuten.
Wirtschaftliche Emanzipation scheint also, auch in Deutschland, noch nicht wirklich erreicht. Noch immer ist die Vermögensbildung für Frauen schwieriger.

Was also sind die Lösungen? Patentlösungen gibt es nicht. Lohngerechtigkeit ist ein komplexes Thema, das weit über die Frage nach Frauen und Männern hinausgeht und die Vergleichbarkeit und den Wert von Tätigkeiten überspannt. Trotzdem darf man an dieser Stelle auch kritisch betrachten, ob die sogenannten „Frauenberufe“, oft im sozialen Bereich angesiedelt, wirklich so viel weniger Qualifikation benötigen oder so viel leichter sind, dass die Lohnverhältnisse gerechtfertigt sind. Man soll hinterfragen, warum Frauen in Lohnverhandlungen häufig schlechter abschneiden und ob sich hier eher die Frauen oder die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen ändern sollten. Man kann diskutieren, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen zumindest eine gewisse Unabhängigkeit schaffen kann oder ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter gefördert werden soll durch bessere oder auch neue Betreuungsangebote.

Was im Fokus bleiben muss ist, dass wir das bis jetzt Erreichte nicht für selbstverständlich nehmen. Und uns nicht einlullen lassen, dass Veränderungen wegen „der Sachzwänge“ oder „den Notwendigkeiten“ nicht möglich wären.

Der Radiologe Jürgen Freyscheidt hat als Lösung für das Problem des Ärztemangels keine zwei Tage vorm Weltfrauentag in der FAZ eine Männerquote von 50% für das Medizinstudium angedacht. Denn derzeit studieren mehr Frauen Medizin. Sie haben die besseren Abiturnoten. Aber auch im Arztberuf machen sich Schwangerschaft und Kinderbetreuungszeiten bemerkbar.
Es ist eine Einzelmeinung, gleichzeitig aber auch ein Symptom dafür, dass die Antwort auf das Problem der ungleichen Verteilung der Kinderbetreuung auch darin gesehen wird, eben weniger Frauen zu beschäftigen. Denn die Betreuung muss gewährleistet werden. Sachzwänge. Wir verstehen…

Nicht! Auch im Jahr 2017 gilt, dass Gleichberechtigung weiter Veränderung braucht, keine Rückschritte. Wir benötigen kritische Fragen und mutige Schritte, um alte Muster aufzulösen und damit wirkliche Gleichberechtigung – nicht nur in der Gesetzgebung, sondern in der Gesellschaft gelebt – zu erreichen.

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