Sankt Martin - Foto: Pixabay.com
Sankt Martin - Foto: Pixabay.com

Betrifft Sankt Martin – offener Brief an die Landesvorsitzende der CDU Saar

Aufgrund mehrfacher Nachfrage haben wir den offenen Brief von Michael Hilberer (MdL) an die Landesvorsitzende der CDU Saarland Annegret Kramp-Karrenbauer an die Presse versendet und stellen ihn auch hier zum Nachlesen auf unserer Homepage online.

 

Michael Hilberer Foto: Carsten Schröder

Michael Hilberer – Foto: Carsten Schröder

„Sehr geehrte Frau Landesvorsitzende,

ich wende mich an Sie aufgrund der jährlich wiederkehrenden Aktion der CDU Saar “Sankt Martin soll Sankt Martin bleiben”. Ich möchte Sie bitten, sich in Ihrem Landesverband dafür einzusetzen, dass dies in Zukunft unterbleibt.

Üblicherweise würde ich mich nicht in dieser Form in die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Partei einmischen, deshalb erlauben Sie mir bitte kurz zu erläutern, weshalb ich es heute als geboten ansehe.

Bereits in den letzten Jahren empfand ich die oben genannte Aktion als irritierend, da weder mir noch meinem Umfeld überhaupt Bestrebungen von irgendjemandem im Saarland bekannt wurden, ein Sankt Martins Fest in eine nicht-katholische Diktion umzubenennen. Auch auf konkrete Nachfragen konnten Vertreter Ihrer Partei solche Fälle nicht benennen. Es scheint sich also keinesfalls um ein akutes Problem zu handeln.

Leider erleben wir im Internet ein immer wiederkehrendes Phänomen. Egal ob Sankt Martin oder das vergleichbare Thema Wintermärkte., es wird eine möglichst ungenaue Bedrohung für liebgewonnene Traditionen aufgebaut. Bei genauer Recherche erweist sich die vermeintliche Bedrohung allerdings entweder als bösartige Verzerrung einer realen Situation oder schlicht erfunden. Bitte schauen Sie einmal genau hin, welche Gruppen zum Jahresende diese “Memes“ pflegen. Ich hoffe die CDU Saar möchte sich nicht mit diesen Akteuren gleich machen.

Da stellt sich mir natürlich die Frage, wieso Ihre Partei dieses Thema trotzdem so vehement bearbeitet und die einzige Erklärung, die sich mir erschließt, ist, dass hiermit Ängste in der Bevölkerung aufgegriffen werden sollen um daraus politisches Kapital zu schlagen.

Konnte man in den letzten Jahren über Ihr Engagement in dieser Richtung noch milde lächelnd hinwegsehen, ganz im Sinne “ach die CDU kämpft wieder gegen Phantombedrohungen”, so halte ich es in der aufgeheizten Stimmung von heute für brandgefährlich, einer bei Rechtspopulisten so beliebten Scheinbedrohung der “Abschaffung von Sankt Martin” aufgrund “falsch verstandener Toleranz” dadurch Gewicht zu verleihen, dass Sie diese mit dem Gütesiegel “von der Volkspartei CDU vertreten” versehen. Sie betreiben damit eine Politik, die auf die Spaltung der Gesellschaft abzielt und dazu geeignet ist, Gruppen von Gläubigen gegeneinander auszuspielen.

Ich verlange von Ihnen keine Distanzierung oder öffentliche Entschuldigung für die bereits durchgeführten Aktionen. Dieser Brief ist kein Teil einer Wahlkampfstrategie. Wie Sie wissen, werde ich mich nach Ablauf der aktuellen Legislaturperiode erst einmal aus der aktiven Politik zurückziehen. Deshalb bitte ich darum, mir keine anderen Beweggründe für mein Schreiben zu unterstellen, als die ehrliche Sorge um das friedliche Zusammenleben in unserer freiheitlichen Gesellschaft.

Trotzdem formuliere ich dieses Schreiben als offenen Brief. Einmal, weil bisher von Seiten Ihrer Partei keine Reaktion auf konkrete Nachfragen erfolgte, aber auch und vor allem, weil ich es für wichtig halte eine sachdienliche und auf Fakten basierende Diskussion in der Öffentlichkeit zu unterstützen, die Ängsten der Bevölkerung begegnet, statt diese zu instrumentalisieren. Politik sollte die Menschen ermutigen, ihr Leben zu meistern und nicht (irrationale) Ängste bestätigen oder gar befeuern.

Ich appelliere nachdrücklich an Sie als Vertreterin der CDU Saar, auf Ihre Partei einzuwirken, in Zukunft von solchen Aktionen Abstand zu nehmen. Ich und viele Menschen mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe leben sehr gerne in unserer vielfältigen, pluralistischen Gesellschaft. Wir glauben fest daran, dass es in unserem Land Platz gibt für Sankt Martin, für Lichterfeste, für Laternenumzüge und Sonne-Mond-und-Sterne Feste. Das Fest des einen zerstört dabei nicht das Fest des anderen.

Es würde mich wirklich sehr freuen, wenn wir in Zukunft gemeinsam dafür streiten würden, dass wir uns der Stärke der Vielfalt bewusst werden, statt das Fest der einen Gruppe gegen das Fest der anderen Gruppe auszuspielen.

Vielen Dank für Ihre Zeit, sich mit meinem Anliegen zu befassen. Ich verbleibe in der Hoffnung, dass die CDU diese Aktionen reflektiert und in Zukunft darauf verzichten kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Hilberer“

2 Reaktionen zu “Betrifft Sankt Martin – offener Brief an die Landesvorsitzende der CDU Saar

  1. In manch süddeutschen Gemeinden ist es tatsächlich so, dass kein Bezug mehr auf den Hl. St. Martin genommen wird. Dort heißt das. Martinsfest nun Lichterfest, so dass auch Andersgläubige nun mitfeiern können…
    Nur mal so gefragt: kann man den Christen und all jenen, die St. Martin feiern möchten, denn nicht ihren St. Martin lassen und alle, die zwar gerne Laternen basteln, die aber keinen Bezug zu einem christlichen Heiligen feiern möchten, bekommen ein extra Datum?

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